GEVER – Quo Vadis? Vier Perspektiven aus Bund und Kantonen
Die neue Teilstrategie GEVER des Bundes hat Bewegung in die Diskussion rund um die digitale Geschäftsverwaltung gebracht. Während der Bund auf eine grundlegende Neuausrichtung setzt, prüfen Kantone und Gemeinden, was dies für ihre Praxis bedeutet. Das krm hat dazu mit verschiedenen Fachpersonen gesprochen und ihre Einschätzungen zusammengetragen.
Vier ausgewählte Gespräche können hier vollständig heruntergeladen und nachgelesen werden:
- FELIX MOSER, BUNDESKANZLEI
Leiter Digitale geschäftsunterstützende Dienste - JARGO DE LUCA, KANTON ST. GALLEN
Records und Prozess Manager - JUAN PABLO LOVATO, KANTON ZÜRICH
Data Governance Specialist - STAATSARCHIV BERN
Felix Moser, Bundeskanzlei
Felix Moser beschreibt die neue Strategie als bewusst langfristig angelegten Weg. Ziel sei es, den Zugang zu Informationen einfacher und intuitiver zu machen und gleichzeitig die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen. GEVER wird nicht mehr als einzelnes System verstanden, sondern als Teil einer umfassenden Architektur für Informationsmanagement. Erste Schritte sind bereits erfolgt, etwa Proof-of-Concepts für die Informationsübergabe aus Microsoft Teams oder Atlassian Tools. Moser betont, dass die Umsetzung iterativ erfolgt und flexibel auf Rahmenbedingungen reagiert.
Jargo De Luca, Staatsverwaltung des Kantons St. Gallen
Jargo De Luca beobachtet, dass GEVER vielerorts noch immer als schwerfälliges Monolith-System wahrgenommen wird. Er ordnet den Strategiewechsel des Bundes als ambitioniert, jedoch wenig greifbar ein. Manche der geforderten Fähigkeiten seien für die Staatsverwaltung bereits umgesetzt, weshalb die Strategie derzeit keine zusätzlichen Impulse bietet. Er sieht den Mehrwert vielmehr darin, GEVER als verlässliche Plattform für strukturierte Ablagen und Zusammenarbeit zu sichern. Gerade im Umfeld von Microsoft 365 bleibt GEVER damit ein zentrales Element.
Juan Pablo Lovato, Kanton Zürich
Juan Pablo Lovato versteht Daten als strategische Ressource. Er begrüsst die lebenszyklusorientierte Sichtweise und die agile Umsetzung der Bundesstrategie. Er sieht darin eine Chance, die Schnittstellen zwischen strukturierten und unstrukturierten Daten klarer zu gestalten. Eine Übernahme auf kantonaler Ebene müsste jedoch sorgfältig geplant werden, um Verantwortlichkeiten eindeutig zu regeln. Potenziale bestehen insbesondere in der Nutzung von künstlicher Intelligenz und Automatisierung, vorausgesetzt, klare Regeln und Zuständigkeiten werden definiert.
Staatsarchiv Bern
Das Staatsarchiv Bern verfolgt einen pragmatischen Ansatz. Alle geschäftsrelevanten Unterlagen werden bereits heute in BE-GEVER oder in autorisierten Fachapplikationen geführt, Ablieferungsvereinbarungen sichern die Übergabe archivwürdiger Unterlagen. Auf die neue Strategie des Bundes reagiert Bern gelassen und sieht aktuell keinen Anlass für Anpassungen. Auch M365 wird nicht als Ersatz betrachtet, da es mit hohen Kosten und Risiken verbunden wäre. Bewährte Standardprodukte bleiben im Kanton Bern der bevorzugte Weg.
Fazit
Die Gespräche zeigen, dass die neue GEVER-Strategie zwar Impulse setzt, ihre unmittelbare Relevanz für die Kantone jedoch unterschiedlich bewertet wird. Während der Bund eine langfristige Neuausrichtung verfolgt, setzen die Kantone auf Stabilität und etablierte Lösungen. Gemeinsam ist allen die Einsicht, dass Themen wie Automatisierung, Metadatenmanagement und Interoperabilität an Bedeutung gewinnen werden.
Ebenfalls auf der Webseite des krm:
Interview zwischen Bruno Wildhaber und Dominik Sievi (beide krm) in welchem wir die wichtigsten Änderungen der neuen Strategie des Bundes aufzeigen und auch einige der wesentlichen Fragen vorab beleuchten.
Aufzeichnung der Live Diskussionsrunde mit Christoph Bühler (CMI AG), Helge Kaltenbach (GBL Gubler AG), Pascal Habegger (Fabasoft 4teamwork AG) unter der Moderation von Bruno Wildhaber (krm) über die Herausforderungen und Chancen der neuen GEVER Strategie des Bundes.
Dominik Sievi / 30.9.25






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