KI-Richtlinien in der Verwaltung und Privatwirtschaft

Dieser Beitrag fokussiert primär auf die Entwicklung von KI-Richtlinien im öffentlichen Sektor verweist jedoch am Schluss auch auf einige Use Cases aus der Privatwirtschaft, die kürzlich  veröffentlicht worden sind.

Die Herausforderungen im beginnenden KI-Zeitalter sind offensichtlich. Wir stecken immer noch in der Goldgräberstimmung des KI-Hype, der aber langsam dreht, da sich gemäss einer aktuellen Umfrage der Stiftung Risiko-Dialog & DigitalSwitzerland 25% aller Befragten vom Tempo der Digitalisierung überfordert fühlen, wie das neuste Digitalbarometer der Schweiz ergeben hat.

Nun, ob KI uns nützt oder schadet, entscheidet nicht die Software, sondern der Faktor Mensch. Wie stellt man sicher, dass ein KI-System im öffentlichen Sektor die Anforderungen an Würde, Persönlichkeit und Eigenverantwortung erfüllt, wie es die Kantonsverfassung vorschreibt? Dazu braucht es Vorgaben und allen ist bewusst, dass Regulatorien jeder Innovation immer hinterherhinken.

Zunächst gilt es zu fragen welche Kantone (und zT auch Gemeinden) überhaupt die Voraussetzungen für eine KI-Bereitschaft geschaffen haben, nämlich in Form einer Digitalstrategie, die das Fundament jeder Digitalen Transformation bildet; denn es dürfte inzwischen einleuchten, dass jede KI-Initiative ohne verlässliches Datenfundament, Datenarchitektur und ohne Data Governance scheitert (vgl. zB HWZ Post).

Verdankenswerterweise hat nun die Geschäftsstelle «Digitale Verwaltung Schweiz» in einer Desktop Recherche  erhoben, welche Kantone bereits eine Digitalisierungs-, E-Government- oder Informatikstrategie haben. Es wurde weiterhin untersucht, ob es sich um eine gemeinsame Strategie von Kantonen und Gemeinden handelt. Die Ergebnisse der Recherche über die Existenz von «Kantonalen Digitalisierungsstrategien» haben den Stand vom April 2026.

Wir haben uns nun gefragt in welchen kantonalen Digitalisierungsstrategien das Thema KI explizit adressiert wird, und in welchem Kontext. Die folgende Tabelle liefert eine typisch föderalistische Übersicht ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Aktualität:

KantonKI Thema explizit adressiertKontext / Bsp. / Kommentar
AGJADept. , Staatskanzlei und Ämter entscheiden über einen pragmatischen Einsatz von KI (zB Voicebot im Strassenverkehrsamt) im Rahmen der strategischen Handlungsfelder der vernetzten Digitalstrategie.
ARNEIN
AIJAKI Potenzialanalyse im Gang
BSJADie Web-Applikation Data AlchemyToolbox zwecks Erprobung von KI-Einsatzszenarien wurde inzwischen durch produktive Applikationen ersetzt.
BLJAStichwort: Fortschritt durch dig. Technologien und neue dig. Infrastruktur
BEJAAls erster Kanton hat Bern Ende 2025 eine operative KI-Richtlinie erlassen. KI-Merkblatt
FRNEIN
GEJAAls Stadtkanton existiert eine Richtlinie (Charta) mit Anleitungen für die Praxis.
GLJAPotentiale neuer Technologien (KI) gilt es im Auge zu behalten
GRJAMassnahmen 2024-28: Pt.9 KI als Teil von Innovation und Anspruchsgruppenorientierung: Die kantonale Verwaltung verfügt über ein umfassendes Bild der relevanten technologischen Trends und der Bedürfnisse ihrer Anspruchsgruppen. Sie setzt neue Ideen um.
JUJANur im Kontext Ressourcenbedarf und Cloud
LUJAEiner der ersten Kantone mit einer KI-Fachstrategie.
NENEIN
NW/OWNEIN
SHJAAnspruch: KI soll eingesetzt werden, um Prozesse zu automatisieren und zu vereinfachen. Damit bleibt Schaffhausen ein moderner Kanton
SOJAInnovationsanspruch
SZNEIN
SGNEINImplizit wird ein Anspruch in der Darstellung und Positionierung der Servicehierarchie Bund – Kanton (eGov) – Gemeinden formuliert.
TGNEIN
TIJAInnovationsanspruch als Zielgrösse im Zuge der technologischen Entwicklung («tecnologie emergenti»).
URNEIN
VDJADie Digitalstrategie formuliert Bsp. von Massnahmen im Legislaturprogramm: Bildungssektor (Vermittlung von KI-Fähigkeiten in den Schulen)
VSNEIN
ZGJAInnovationsanspruch: Erprobung neuer Technologien (KI)
ZHJALeitfaden für die Verwaltung (2021), Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung: rechtliche und ethische Fragen (Studie) . In der Stadt ZH existiert seit 2025 eine KI-Richtlinie. Der Kanton führt zudem seine KI-Sandbox Initiative im geschützten Rahmen weiter.

In dieser tabellarischen Analyse basierend auf einer Durchsicht der kantonalen Digitalisierungsstrategien konnte jedoch nirgends festgestellt werden, dass spezifische Regulierungen betr. Umgang mit KI adressiert werden.  Auffallend ist jedoch, dass die Anforderung eines Kulturwandels im Zuge der digitalen Transformation fast überall stark betont wird.

Die Frage der Existenz von KI-Richtlinien kann deshalb nur punktuell eruiert und beantwortet werden. Es scheint aktuell so zu sein, dass nur in wenigen Verwaltungen KI-Richtlinien erlassen worden sind: die grössten Städte wirken als Pioniere, bei den Kantonen sind Bern und Zürich im Moment vorne

Der Fall der Stadt Genf (Charta) zeigt exemplarisch Zweck und Ziel solcher Richtlinien / Prinzipien; das Personal soll entsprechend geschult werden; wie diese Prinzipien in der Praxis umgesetzt werden wird hier durch eine Best Practice Anleitung sichergestellt. (Un guide pratique d’utilisation de l’IA est également mis à disposition du personnel de la Ville pour détailler les recommandations opérationnelles et les bonnes pratiques d’implémentation.)

In der Stadt Aarau ist ein entsprechendes Postulat hängig.  Auf nationaler Ebene schafft die Digitale Verwaltung Schweiz strategische Grundlagen (vgl. auch die noch sehr allgemeinen Leitlinien von 2019) und der schweiz. Gemeindeverband unterstützt Gemeinden mit FAQs und praxisnahen Merkblättern zur KI.

Die Regulierung kommt, aber die Praxis wartet nicht (P.Meyrat)

„Der Bund arbeitet an einer KI-Regulierung. Das Bundesamt für Justiz BJ hält fest, dass die Schweiz aktuell keine spezifische KI-Gesetzgebung hat und dass der Bundesrat das EJPD beauftragt hat, bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten. Diese soll insbesondere Transparenz, Datenschutz, Nichtdiskriminierung und Aufsicht umfassen. Grundlage ist die KI-Konvention des Europarats, nicht eine direkte Übernahme des EU AI Act.“

Das ist ein sinnvoller schweizerischer Weg. Aber er löst das operative Problem der Verwaltung nicht sofort.

Fazit:

Die KI Nutzung in Verwaltungen ist noch gering, aber es besteht klarer Handlungsbedarf für Vorgaben und Richtlinien.  Die Städte agieren als Vorreiter. Beim Umgang und Einsatz von KI-Tools / Sprachmodellen in der Verwaltung müssen die Behörden abwägen zwischen Wertsteigerung (Chancen für Effizienzsteigerung, Qualität und Ressourcenschonung etc.) und Risikominimierung (Rechtskonformität, Sicherheit, Datenschutz). Ein klassisches Thema der Information Governance.

Dasselbe gilt jedoch auch im Privatsektor.

Inside-IT hat grad kürzlich ein paar Use Cases publiziert wie KI in Schweizer Firmen verantwortungsbewusst eingesetzt wird.

  • Walbusch: Angestellte unterstützen, nicht ersetzen
  • BSI: Code of Conduct AI
  • Swisscom: Risk-based Governance (framework)
  • Liip: Quantifizierbare Qualitätsmetriken

Die meisten grösseren Firmen haben inzwischen entsprechende interne Richtlinien in Kraft gesetzt und schulen ihr Personal.

Das krm hat bereits 2023 eine Richtlinie / Anleitung betr. Umgang mit Chat GPT / Generativer KI in Unternehmen publiziert.

Wir unterstützen Sie gerne bei einem KI-Compliance Check und der Erstellung von KI-Richtlinien die der Kultur ihrer Firma entsprechen.

… UND wir überprüfen und zertifizieren Ihre KI-Lösung: https://www.digitalkonform.ch/certifai/

 

jh/06-26

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